Vom Wildcatter zum Milliardär und Visionär. Ein Leben voller Comebacks, Risiken und großer Visionen. T. Boone Pickens, geboren am 22. Mai 1928 in Holdenville, Oklahoma, und gestorben am 11. September 2019 in Dallas, war einer der legendärsten Figuren der Energiebranche. Als Öl-Tycoon, Corporate Raider, Hedgefonds-Manager und späterer Verfechter erneuerbarer Energien verkörperte er den amerikanischen Traum: Aus bescheidenen Anfängen zu einem Vermögen von über einer Milliarde Dollar, welches dann zum Großteil wieder verschenkt wurde.
Die Anfänge: Vom Zeitungsjungen zum Öl-Pionier
Pickens wuchs in einer Familie auf, in der sein Vater als Landman für Ölrechte arbeitete. Schon als Kind zeigte er Unternehmergeist: Er erweiterte seine Zeitungsroute aggressiv, indem er Konkurrenzrouten aufkaufte. Nach einem Geologie-Studium an der Oklahoma State University (damals Oklahoma A&M) arbeitete er kurz bei Phillips Petroleum. Er verließ das Unternehmen aber schnell, weil er die Bürokratie hasste. 1956 gründete er mit gerade einmal 2.500 Dollar Startkapital seine eigene Firma, die später zu Mesa Petroleum wurde, einem der größten unabhängigen Öl- und Gasproduzenten der USA.
Die 1980er: Der gefürchtete Corporate Raider
In den 80er Jahren wurde Pickens berüchtigt als Corporate Raider. Er kaufte große Aktienpakete unterbewerteter Ölkonzerne wie Gulf Oil, Unocal oder Cities Service, um sie zu Übernahmen zu zwingen oder Greenmail [Rückkauf zu höheren Preisen} zu erpressen. Diese Taktik löste Wellen von Fusionen aus und machte ihn zu einem der einflussreichsten und umstrittensten Investoren seiner Zeit. Sein Motto: „A fool with a plan can beat a genius without one.“
Der Neustart: BP Capital und der Milliarden-Coup
Nach dem Verkauf von Mesa 1996 und einem Tiefschlag gründete Pickens mit 68 Jahren BP Capital Management. Ein Hedgefonds spezialisiert auf Energie-Commodities. Hier traf er den Jackpot: Allein 2006 verdiente er über 1,1 Milliarden Dollar, als er früh auf steigende Erdgaspreise setzte. Er wurde zum „Oracle of Oil“ gekrönt und bewies, dass Comebacks möglich sind, selbst im hohen Alter.
Der Pickens Plan: Visionär für erneuerbare Energien
Später wandelte sich der konservative Ölmann zum Befürworter alternativer Energien. 2008 startete er den Pickens Plan: Eine Kampagne mit 100 Millionen Dollar Eigenmittel, um die USA von OPEC-Öl unabhängig zu machen. Einerseits durch Windkraft im „Wind Corridor“ der Great Plains und zusätzlich mit Erdgas als Übergangsbrennstoff für Fahrzeuge. Er plante das größte Windfarm-Projekt der Welt in Texas, das letztlich an Finanzkrise und fallenden Gaspreisen scheiterte. Dennoch blieb seine Botschaft: Amerika braucht einen echten Energieplan.
Philanthropie: Der größte Spender
Pickens gab zu Lebzeiten über 1 Milliarde Dollar für Wohltätigkeit aus. Vor allem an seine Alma Mater Oklahoma State University [über 650 Millionen Dollar für Sport und Akademisches], medizinische Forschung und Naturschutz. Bei seinem Tod 2019 betrug sein Nettovermögen „nur“ noch ca. 500 Millionen Dollar. Ein weiteres berühmtes Zitat: „The first billion is the hardest.“ [Der Titel seines Buches aus 2008]
Vermächtnis
Dieser Teil der Erfolgssgeschichte[n] aus dem Kaptialland zeigt: T. Boone Pickens war ein Mann der Extreme: Risikobereit, charismatisch, polarisierend und großzügig. Er revolutionierte die Ölbranche, prägte den Aktivismus an der Börse und mahnte bis zuletzt zur Energieunabhängigkeit. Heute erinnert sein Name an Stadien, Stiftungen und den Geist eines echten Self-Made-Milliardärs.
„Work eight hours and sleep eight hours and make sure they are not the same eight hours.“
-T. Boone Pickens-

