Der Value-Investor, der den Markt 15 Jahre lang besiegte, war Bill Miller. Geboren am 1. Februar 1950 in Miami, Florida, gilt als einer der erfolgreichsten Value-Investoren seiner Generation. Als langjähriger Manager des Legg Mason Value Trust Fonds schrieb er Geschichte, indem er den S&P 500 Index 15 Jahre in Folge [von 1991 bis 2005] outperformte. Eine Leistung, die bis heute unerreicht bleibt.
Die Anfänge: Vom Philosophiestudenten zum Fondsmanager
Miller studierte zunächst Philosophie und Ökonomie an der Washington and Lee University und promovierte später in Philosophie. Seine analytische Denkweise, geprägt durch logisches und konträres Denken, wurde später zu einem Markenzeichen seines Investmentstils. Nach einer Zeit beim Militär und als Finanzanalyst bei J.E. Robert Companies trat er 1982 bei Legg Mason ein. 1990 übernahm er die Leitung des Value Trust Fonds. Damals ein relativ kleiner Fonds mit etwa 750 Millionen Dollar unter Verwaltung.
15 Jahre Marktüberlegenheit
Von 1991 bis 2005 erzielte der Legg Mason Value Trust jährlich eine bessere Rendite als der S&P 500. Diese Serie ist umso bemerkenswerter, da sie sowohl die Dotcom-Blase der späten 1990er als auch den anschließenden Crash umfasste. Miller setzte auf konzentrierte Wetten in unterbewertete Unternehmen, die der Markt ignorierte oder hasste. Zu seinen berühmtesten Positionen gehörten:
- Amazon [früh eingestiegen, lange gehalten]
- AOL [großer Gewinner in den 1990er Jahren]
- Dell
- Eastman Kodak [vor dem Niedergang]
- Bitcoin [als einer der ersten institutionellen Investoren]
Sein Stil war eine Mischung aus klassischem Value-Investing à la Benjamin Graham und Warren Buffett, aber mit mehr Bereitschaft zu Wachstumsaktien und Technologie.
Amazon
Er kaufte Amazon-Aktien bereits beim IPO im Mai 1997 [damals noch ein reiner Online-Buchhändler] und hielt die Position über Jahrzehnte. Besonders mutig war sein Verhalten während der Dotcom-Blase und des anschließenden Crashs. Während die Amazon-Aktie von über 100 Dollar [split-bereinigt] auf unter 6 Dollar im Jahr 2001 abstürzte und viele Analysten das Unternehmen als „Amazon.bomb“ verspotteten, kaufte Miller massiv nach. Zu dieser Zeit wurde er stark kritisiert. Sein Fonds stand unter Druck, und Kritiker warfen ihm vor, klassische Value-Prinzipien zu verraten. Auf dem Höhepunkt machte Amazon bis zu 83 Prozent seines persönlichen Portfolios aus.
Der Fall und das Comeback
2006 endete die Serie, und in den Jahren 2007 und 2008 erlitt der Fonds massive Verluste, besonders durch hohe Gewichtung in Finanzwerten wie Bear Stearns während der Finanzkrise. Der Fonds fiel zeitweise um über 55 Prozent und Miller wurde stark kritisiert. Doch er blieb standhaft. 2011 verließ er Legg Mason und gründete 2012 Miller Value Partners. Dort startete er den Opportunity Trust, mit dem er erneut beeindruckende Renditen erzielte. Unter anderem durch frühe Investitionen in Bitcoin über den Grayscale Bitcoin Trust [GBTC], was ihm in den Jahren 2020 und 2021 enorme Gewinne bescherte.
Philosophie und Vermächtnis
Miller ist bekannt für seine konträre Haltung: Er kauft, wenn andere verkaufen, und hält Positionen oft jahrelang, auch wenn sie kurzfristig unter Druck stehen. Sein berühmtes Zitat: „Der Markt ist ein komplexes adaptives System. Die niedrigsten Risiken liegen oft dort, wo die meisten Leute das höchste Risiko sehen. Er betont Behavioral Finance und die Psychologie der Märkte. Miller war einer der ersten großen Fondsmanager, der Bitcoin als legitime Anlageklasse anerkannte und öffentlich verteidigte.
Heute
Bill Miller bleibt aktiv bei Miller Value Partners und ist weiterhin ein gefragter Kommentator zu Märkten, Wirtschaft und Kryptowährungen. Sein Vermögen wird auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt. Sein Vermächtnis: Eine Erinnerung daran, dass konsequentes, diszipliniertes und mutiges Value-Investing langfristig außergewöhnliche Ergebnisse bringen kann. Auch wenn es zwischendurch schmerzhafte Rückschläge gibt. Bill Miller hat bewiesen: Es braucht nicht nur Intelligenz, sondern vor allem Charakterstärke, um an der Spitze zu bleiben.
Fazit
Ich brauche schon Charakterstärke nur zum Überleben. Da ist also noch Luft nach oben.

