Jesse Livermore, geboren 1877 in Massachusetts als Sohn armer Farmer, gilt bis heute als einer der legendärsten Trader der Börsengeschichte. Sein Leben war geprägt von atemberaubenden Erfolgen, spektakulären Pleiten und einem tiefen inneren Kampf. Leider endete sein Leben auf tragische Art und Weise. Eine echte Gruselgeschichte aus dem Kapitalland.
Frühe Jahre
Er begann bereits mit 14 Jahren in einem Broker Büro in Boston als Chalk Boy zu arbeiten, wo er Kurse an eine Tafel schrieb. Schnell entdeckte er sein Talent, Preisentwicklungen zu erkennen und Muster zu lesen. Er wechselte in sogenannte Bucket Shops, illegale Wettbüros für Aktienkurse und machte dort sein erstes Vermögen, indem er gegen die Buchmacher wettete.
Aufstieg zum Star-Trader
Livermore wurde berühmt durch spektakuläre Trades. Im Jahr 1907 verdiente er Millionen als er den Panic of 1907 voraussah und Short ging. Sein größter Coup folgte 1929. Er baute massive Short-Positionen auf und profitierte enorm vom Börsencrash der Großen Depression. Zu diesem Zeitpunkt besaß er ein Vermögen, das heute etwa 1,5 Milliarden USD entsprechen würde. Die Presse nannte ihn den Great Bear of Wall Street oder den Boy Plunger wegen seines aggressiven risikoreichen Stils.
Wiederholte Pleiten und Verlust des Vermögens
Doch Livermore ging mehrmals pleite und baute Vermögen wieder auf. Das Muster wiederholte sich. Er brach seine eigenen Regeln, brach Trades zu früh oder zu spät ab und ließ Emotionen wie Gier und Angst die Oberhand gewinnen. Nach 1929 verlor er große Teile seines Gewinns in den folgenden Bullenmärkten von 1932 und 1933. Die Einführung der Securities Exchange Commission 1934 mit neuen Regulierungen machte seine alten Methoden schwieriger. Er konnte sich nicht mehr so frei bewegen wie früher.
In seinen letzten Jahren verschlechterte sich alles dramatisch. 1934 meldete er zum dritten Mal Bankrott an mit Schulden in Höhe von 2,5 Millionen USD und nur minimalen Assets. Er war suspendiert von der Chicago Board of Trade und konnte nicht mehr wie gewohnt handeln.
Persönliche Krisen und familiäre Tragödien
Er heiratete dreimal, litt unter gescheiterten Ehen und familiären Tragödien. Sein Sohn wurde 1935 von der eigenen Mutter angeschossen. Diese Ereignisse zusammen mit den finanziellen Rückschlägen und langjährigen Depressionen die in seiner Familie vorkamen und damals unbehandelt blieben, verstärkten seine psychische Belastung enorm.
Der Tag des Suizids
Am 28. November 1940 am Thanksgiving Day betrat Jesse kurz nach 17:30 Uhr das Sherry Netherland Hotel in Manhattan. Er trank wie üblich Cocktails und ging dann in die Garderobe. Dort nahm er eine Pistole und schoss sich in den Kopf. Er starb mit 63 Jahren.
Der Abschiedsbrief
Der genaue Grund für seinen Selbstmord steht in seinem Abschiedsbrief, den die Polizei in seinem ledergebundenen Notizbuch fand. Der achtseitige handgeschriebene Brief war an seine dritte Frau Harriet gerichtet, die er Nina nannte. Darin schrieb er wörtlich:
„My dear Nina: Can’t help it. Things have been bad with me. I am tired of fighting. Can’t carry on any longer. This is the only way out. I am unworthy of your love. I am a failure. I am truly sorry, but this is the only way out for me. Love Laurie.“
Diese Zeilen zeigen den Kern. Es war keine einzelne Börsenpleite, die ihn in den Tod trieb, sondern ein langanhaltendes Gefühl des Scheiterns, tiefe Erschöpfung vom ständigen Kampf und das Bewusstsein, dass er trotz aller Erfolge in seinen Augen ein Versager war. Er fühlte sich unwürdig und sah keinen Ausweg mehr. Die ständigen Hochs und Tiefs des Tradings verstärkten diese psychische Belastung enorm.
Vermächtnis
Jesse Livermore hinterließ ein Vermächtnis, das Trader bis heute fasziniert. Sein Buch Reminiscences of a Stock Operator, das unter Pseudonym von Edwin Lefèvre geschrieben wurde, gilt als Bibel des Tradings. Doch sein tragisches Ende erinnert daran, dass finanzieller Erfolg allein keine innere Ruhe bringt und das der Preis für extremes Risiko manchmal das eigene Leben ist.
My Take
Ich musste in jungen Jahren mal die Erfahrung machen, wie es ist, einen Freund durch Suizid zu verlieren. Toxische Persönlichkeiten, welche kein Problem damit haben, auf Menschen zu treten, die bereits am Boden liegen, waren daran nicht unbeteiligt. Deshalb versuche ich, Menschen in schwierigen Lebenssituationen ernst zu nehmen und aufzufangen.
Unabhängig davon kann ich die Gedankengänge der betroffenen Menschen ziemlich gut nachvollziehen. Dennoch plädiere ich immer für das Leben, denn jeden Tag geht die Sonne wieder auf und negative Gedanken können jederzeit wieder verschwinden.

![Gruselgeschichte[n] aus dem Kapitalland: Jesse Livermore](https://freiohnelimit.de/wp-content/uploads/2026/03/Grusel_Jesse_Livermore-1024x576.png)